Good books and reports on climate change
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Empfehlenswerte Bücher und Studien
deutsch
— WBGU: Kassensturz für den Weltklimavertrag — Der Budgetansatz. Sondergutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. 59 Seiten, pdf, 2.4 MB, kostenlos.
Eine Studie, die keinen Hehl daraus macht, wie dramatisch die Situation ist. Die Kohlenstoffemissionen müssen ganz aufhören, und das schnell. Mit hier und da etwas veganern, rad- oder bahnfahren, oder gar "kompensieren" ist das nicht zu schaffen.





Beispiele für Pro-Kopf-Emissionsverläufe von CO2 aus fossilen Quellen für drei Ländergruppen nach dem Budgetansatz ohne Emissionshandel. Sie erlauben zwar eine Einhaltung der nationalen Budgets, würden aber z. T. in der Praxis nicht umsetzbar sein. Die Ländergruppen ordnen sich nach den jährlichen CO2-Emissionen pro Kopf aus fossilen Quellen, wobei die CO2- Emissionen Schätzungen für das Jahr 2008 und die Bevölkerungszahlen Schätzungen für das Jahr 2010 sind. Rot: Ländergruppe 1 (>5,4 t CO2 pro Kopf und Jahr), vor allem Industrieländer (z. B. EU, USA, Japan), aber auch ölexportierende Länder (z. B. Saudi-Arabien, Kuwait, Venezuela) und wenige Schwellenländer (z. B. Südafrika, Malaysia). Orange: Ländergruppe 2 (2,7–5,4t CO2 pro Kopf und Jahr), hier finden sich viele Schwellenländer (z. B. China, Mexiko, Thailand). Grün: Ländergruppe 3 (<2,7t CO2 pro Kopf und Jahr), vor allem Entwicklungsländer (z. B. Burkina Faso, Nicaragua, Vietnam), aber auch einige große Schwellenländer (z. B. Indien, Brasilien). Quelle: WBGU
Ohne Emissionshandel müssen die CO2-Emissionen der Industrieländer bis 2025 ganz aufhören Kohlenstoff in der Form von CO2 aus dem Boden in die Atmosphäre zu lassen. Mit Emissionshandel, werden sie jedoch —weltweit— kaum je ganz aufhören. Weil dann die Arbeitsplätze der tausende von Carbon Tradern verloren gingen. Eine globale CO2-Abgabe mit Rückerstattung —Ökobonus— könnte dagegen dieses Ziel erfüllen. Das wäre wirksamer, da die Preisentwicklung für fossile Energieträger voraussehbarer wäre. Es wäre effizienter, weil nicht die Carbon Traders und deren Banken mitkassierten und es würde viele Probleme vermeiden, die der in der Studie vorgeschlagene Weg verschweigt: was geschieht mit dem Bevölkerungswachstum das während der nächsten 100 Jahre in den verschiedenen Ländern so verschieden sein wird, dass die Basis 2010 für die Bevölkerungszahl wiedererwogen werden wird und: was geschieht bei Migration, die ebenfalls sehr wichtig sein wird und die durch den Budgetansatz verstärkt wird. Besonders aber: Die Lösung 'globaler Ökobonus' würde das Kernproblemm umschiffen, dass das Aushandeln globaler Reduktionsverpflichtungen für eine sehr grosse Zahl von Ländern den derzeitigen Verhandlungsmodus innerhalb der UNFCCCC überfordert. (Diese Formulierung lehnt sich an den Text des Gutachtens an: "Zudem wird immer offensichtlicher, dass das explizite Aushandeln individueller Reduktionsverpflichtungen für eine sehr grosse Zahl von Ländern den derzeitigen Verhandlungsmodus innerhalb der UNFCCCC überfordern dürfte", S. 1, Spalte 1 unten). Das Gutachten ist ein Meilenstein und verdient beachtet zu werden. Es kontrastiert angenehm mit der verharmlosenden Position des Schweizerischen Beratungsgremiums (OccC). Das Gutachten und weitere Dokumente dazu sind auf: http://www.wbgu.de/wbgu_sn2009.html abrufbar. Direkter download: http://www.wbgu.de/wbgu_sn2009.pdf
— Marcel Hänggi: Wir Schwätzer im Treibhaus: Warum die Klimapolitik versagt
Rotpunktverlag, auch bei amazon.de erhältlich. Darüber, warum Fortschritts- und Wachstumsglauben Fortschritte in der Klimapolitik verhindern. Das bessere ist der Feind des guten, heisst es. Marcel Hänggi zeigt, wie im Klimaschutz das schlechte der Freund des schlechteren ist. Ein erhellendes und fundiertes, ungewöhnliches und wertwolles Buch zum Thema Klima. Vielleicht das beste zurzeit in Deutsch erhältliche Werk zum Thema. Was fehlt, sind die positiven Perspektiven, die es ja schon gibt. Es gäbe aber wenigstens einen Ansatz, der näher liegen würde (CO2-Abgabe mit Rückerstattung, Ökobonus) als diejenigen, die Marcel Hänggi erwähnt — 2000W-Gesellschaft und Zero-Carbon-Britain.
english
— Mark Lynas: Six Degrees — Our Future on a Hotter Planet
Die lesenswerte und lesbare Zusammenstellung von relativ jungen Ergebnissen der Klimaforschung, sowohl aus Modellrechnungen wie auch Erkenntnisse der Paleoklimatologie. Mark Lynas hat in anerkannten Fachzeitschriften publizierte wissenschafltiche Arbeiten sortiert und Aussagen daraus allgemeinverständlich formuliert. Das Buch ist hervorragend in seinem Hauptteil, der Darstellung der Situation. Es macht klar, was die nonchalanten Voraussagen wirklich für den Planeten, die Natur (und, eher implizit als explizit) die Menschen bedeuten. Dabei scheut sich Lynas nicht den Sachverhalt deutlich zu beschreiben, auch wenn er aus der Sicht von Wissenschaftlern dabei vielleicht als alarmistisch taxiert wird. Wie Gore's 'Inconvenient Truth' ist das Buch leider schwach bei den Lösungsvorschlägen. Zweifellos hat dieses Werk, wesentlich dazu beigetragen, dass es in in England die relativ stärkste Klimabewegung gibt — und ist darum schon fast Kult. Es gibt auch einen gleichnamigen Film auf DVD von National Geographic. Der Film hat aber nicht annähernd das Niveau des Buchs (und ist US-ländercodiert).
— Peter D. Ward: Under a Green Sky — Global Warming, the Mass Extinctions of the Past, and What They Can Tell Us About Our Future
Das populärwissenschaftliche Werk eines (vielschreibenden) Wissenschaftlers, Paleobiologe. Die Hauptaussage: Enfesselter, natürlich angestossener Klimawandel hat in der Vergangenheit wiederholt einen grossen Teil der Natur dahingerafft. Und von Menschen angestossener Klimawandel könnte den Mechanismus auslösen, der schon mehrmals einen fast kompletten Neustart der Natur verursacht hat. Ein Massensterben würde die Menschheit selbst dann dahinzuraffen, wenn bis dahin Kollaps, Verteilkampf und Atomkrieg vermieden werden können. Im Gegensatz zu den anderen Büchern dieser Liste ist dieses Buch schnell geschrieben. Dennoch ein 'must-read'.
— Eugene Linden: The Winds of Change: Climate, Weather, and the Destruction of Civilizations
Über Klimawandel in der Geschichte (letzte 8000 Jahre). Hauptaussage: Selbst die im Vergleich zu anderen Klimaepochen extrem bescheidenen Schwankungen des Klimas, haben für viele Gesellschaften das Ende bedeutet. Das Provozieren des "angry beast" ist Irrsinn. Sehr fundierte Zusammenstellung historischer Fakten eines Journalisten. Bereits ein Klassiker.
— Fred Pearce: With Speed and Violence — Why Scientists Fear Tipping Points in Climate Change
Über die Gefahr unkontrolliebaren Klimawandels. Leichte Lektüre zu einem gewichtigen Thema.
— David Archer: Global Warming — Understanding the Forecast
Klimawissenschaft allgemeinverständlich dargelegt. David Archer erklärt die relevanten Aspekte von Physik, Chemie und Ökonomie verständlich. Alles was man wissen muss, um Klimawandel zu verstehen, in konzentrierter Form. Die Dichte und Komplettheit des Werks —z.B. der Beschrieb des Problems als Tragödie der Allmende— lässt verzeihen, dass von ambitionierten Zielen keine Rede ist, fast so als ob die Emissionsentwicklung unvermeidlich wäre.
— Peter Barnes: Who Owns the Sky? Our Common Assets and the Future of Capitalism
2001, 175 Seiten, ca. EUR 20 (paperback)
Für einmal ein Buch, das sich nicht dem Problem, sondern mit der Lösung befasst. Mehr noch: Es ist der richtigen und der vielleicht einzigen möglichen Lösung gewidmet. Einem korrekter Lösungsvorschlag geht meistens eine korrekte Analyse voraus: Das Problem ist nicht die Quelle (die Verfügbarkeit der fossilen Energieträger), sondern die Senke, die Aufnahmefähigkeit von Atmosphpäre, Ozeanen und Biosphäre für industriellen Abfall, insbesondere für Kohlenstoff. Barnes beschreibt, wie die Kraft der Marktmechanismen für gute Zwecke nutzbar zu machen sind: In dem wir dem wertvollsten und knappsten Gut, der Atmoshäre einen Preis geben, bevor deren Aufnahmefähigkeit erschöpft ist. Und alle Menschen fair und zu gleichberechtigt am Einkommen aus der Preiserhöhung beteiligen. Die leserfreundliche Art und der positive umfassende Ausblick lassen dem Autor dieses erhellenden Werks die irreführende Terminologie (assets, capitalism, dividends) vergeben. Und auch über die beunruhige Tatsache, dass der vorgeschlagene Ansatz der CO2-Abgabe mit per capita Rückerstattung (Ökobonus) anderswo schon lange versucht wurde, mag gerne hinweggesehen werden. Weitere Bücher von Peter Barnes zum Thema: Capitalism 3.0 (gratis online), 700 kB, oder Climate Solutions; What Works, What Doesnt, and Why; Taschenbuch, 93 Seiten.
— Climate Safety: http://climatesafety.org/ (bzw. Download des Berichts: http://climatesafety.org/downloads ). Klartext in Form einer kostenlosen aktuellen Studie. Für einmal nicht (nicht v. a.) eine der üblichen und überzähligen planwirtschaftlichen Trockenübungen, sondern eine Studdie, die sich nicht scheut zu erwähnen, wer zur Lösung dieses Problem unverzichtbar ist: Eine soziale Protestbewegung.